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20 Jahre bewegte Geschichte, kurz 20 Jahre HCU

"Keine Retrospektive sondern Gedanken zur der (Wissenschafts-)Freiheit". Festrede des Präsidenten Prof. Dr. Jörg Müller-Lietzkow zum Festempfang "20 Jahre HafenCity Universität Hamburg" am 10. Juni 2026.

20 Jahre bewegte Geschichte, kurz 20 Jahre HCU

Keine Retrospektive sondern Gedanken zur der (Wissenschafts-)Freiheit

Jörg Müller-Lietzkow

Hamburg, 10. Juni 2026


Sehr geehrte Senatorin, liebe Maryam Blumenthal,

Sehr geehrte Staatsrätin, liebe Frau Gümbel,

Sehr geehrter Staatsrat, lieber Alexander von Vogel,

Sehr geehrte Mitglieder der Hamburgischen Bürgerschaft,

Sehr geehrte Kolleg:innen Präsides,

Sehr geehrte Kolleg:innen der Präsiden der Hamburger Hochschulen,

Sehr geehrter Vorsitzender des Hochschulrates, lieber Georg Mecke,

Sehr geehrte Mitglieder des Hochschulrates,

Sehr geehrte Vizepräsidentin, liebe Annette Bögle,

Sehr geehrter Vizepräsident, lieber Karsten Schlesier,

Sehr geehrter Kanzler, lieber Volker Pekron,

Sehr geehrte liebe Kolleg:innen, 

Sehr geehrte liebe Studierendenvertreter:innen,

Sehr geehrte liebe ehemalige Kolleg:innen und Studierende der HCU

Sehr geehrte Gäste von nah und fern, auf jeden Fall verbunden mit unserer HCU,

 

Es gibt leichtere Reden als diese heute, die ich halten durfte. Heute muss und soll der Spagat gelingen, in einer für die HCU durchaus herausfordernden Situation eine gewisse Leichtigkeit zum 20sten Geburtstag zu vermitteln und dennoch auch klar und unmissverständlich zu sein. Man möge mir daher schon vorab verzeihen, dass ich auf eine rein launige Laudatio verzichte und doch die ein oder andere Leistung der und durch die Menschen an und in der HCU hervorheben möchte. 

Ebenso möchte ich aber auch darum bitten, dass wir diesen besonderen Tag so verstehen, wie er ist: Ein Geburtstag. Und Geburtstagskinder dürfen sich etwas wünschen. Auf diesen Wunsch komme ich am Ende meiner kleinen Ansprache zurück – bevor nun der übliche Satz solcher Reden kommt: Zwischen Ihnen und dem Essen stehe nur noch ich – ich mühe mich die Zeit nicht überzustrapazieren ;) 

 

1. Freiheit und Wissenschaftsfreiheit

Lassen Sie mich diesen Abend mit einem Gedanken beginnen: Was wäre, wenn die Freiheit der Wissenschaft nicht mehr gewährleistet ist? Was passiert in einem Land, in dem wir Denkvorgaben machen? Wollen wir wirklich eine indoktrinierte Wissenschaft, die jenseits des Erkenntnisinteresses ideologischer Verankerung folgt? Das kann, darf und sollte nie unsere Maxime in freien Demokratien sein.

Und klar, es gibt durchaus Grenzen, aber diese dürfen weder politisch noch wirtschaftlich allein motiviert sein. Wissenschaft hat durch Peer Review und viele andere geeignete Systeme Qualitätssicherung zum essentiellen Bestandteil ihrer Kultur gemacht. Man sollte meinen, dass genau das eigentlich weltweit in freien Demokratien der Grundkonsens sein müsste. Aber weit gefehlt. Ich zitierte aus dem Zeit-Newsletter vom Montag:

US-Regierung stürzt Peer-Review

Die Demontage der Wissenschaft in den USA geht weiter. Der neueste Hieb: Politische Amtsträger sollen sich bei der Fördermittelvergabe nicht mehr vom Votum wissenschaftlicher Fachgutachten leiten lassen (npr, cnn). Andersherum und deutlich zugespitzter formuliert: Wissenschaft wird in den USA künftig nach politischem Gutdünken finanziert. „This would be the end of American science as we know it", erklärte Cole Donovan von der Initiative „Stand up for Science”. Doch so weit sei es noch nicht: „We're gonna make sure that it doesn't fade quietly into the night" (npr). Der Widerstand gegen die vom Weißen Haus geplante Änderung der Verwaltungsvorschriften ist groß, die Wissenschaft weltweit alarmiert (Research.Table). Wissenschaftsverbände, Hochschulen und Profs aus allen Disziplinen sind in Aufruhr und entschlossen, das Primat von Peer Review zu retten: „The system wasn’t perfect, but it wasn’t stupid”, zitiert cnn die Klimaforscherin Kate Marvel, „putting uninformed political hacks in charge of it is deeply stupid.” Die öffentliche Anhörung zu den Änderungsvorschriften läuft bis 13. Juli. Beobachter gehen von einer Flut von Stellungnahmen aus. Dass sie damit das Weiße Haus vom Kurs abbringen und eine Überprüfung durch den Kongress erreichen, gilt als unwahrscheinlich (cnn).“

Sicherlich kann man heute in Deutschland diese Art von Verhältnissen (noch) nicht beobachten. Dennoch erscheint es auch bei uns – auch vor dem Hintergrund drohender extremistischer Regierungen in Ostdeutschland – sehr wesentlich die Hochschulautonomie, und vor allem die Wissenschaftsfreiheit um jeden Preis zu schützen sowie auch für eine auskömmliche Finanzierung so Sorge zu tragen, dass die Hochschulen die ihnen auferlegten Aufgaben gut, vollumfänglich und selbstbestimmt gerecht werden können. Und dies ohne das von außen steuernd über Finanzen eingegriffen wird! Dies hat bei uns nicht ohne Grund Verfassungsrang mit Artikel 5.

 

2. Die vier zentralen Aufgaben

Bei meiner Vorbereitung für diese kleine Rede machte ich eine kurze Reise in die Vergangenheit, um einen Blick in die Zukunft im oben genannten Zusammenhang zu ermöglichen. In der Gründungsdrucksache 18/2683 der 18. Wahlperiode der Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg von 2005 wurden der HCU vier wesentliche Aufgaben ins Stammbuch geschrieben:

  • Ausbildung: Die Hochschule soll qualitativ hochwertige und innovative Bachelor- und Masterstudien anbieten, die ein solides Fundament für die etablierten Berufsfelder legen aber auch neue Berufsfelder erschließen soll.

  • Forschung und Entwicklung: Die neue Hochschule soll ein klares Profil in Forschung und Entwicklung erarbeiten, dass insb. ihre interdisziplinären Möglichkeiten nutzt, innovative Wege zu beschreiten.

  • Transfer: Die HafenCity Universität soll auf Stadt und Bürger, Wirtschaft und Kultur mit bedarfsorientierten Angeboten in Lehre, Forschung und Entwicklung zugehen. Als Forum lebendiger Diskussion soll sie zur Entwicklung der besonderen Baukultur Hamburgs und zu Fragen der Stadtentwicklung beitragen.

  • Exzellenz: In definierten fachlichen Schwerpunktbereichen muss die HafenCity Universität auch im internationalen Maßstab konkurrenzfähig und exzellent sein.

Zu Recht darf man am 20sten Geburtstag fragen: Hat die HCU diese Erwartungen erfüllt? Lassen Sie mich mit einem Teaser beginnen: Die hochmotivierten Menschen an der HCU haben diese mit viel Herzblut und Eigenleistung weit übererfüllt. Und dafür gebührt allen, die dazu beigetragen haben, Dank, Respekt und Anerkennung einer (sehr) außergewöhnlichen Leistung. 

Sicherlich gab es – da wollen wir uns nichts vormachen – auch schwierige Zeiten, insbesondere in den Jahren 2017 und 2018 sowie 2024. Doch gerade nach der letzten Krise ist die HCU als Universität gestärkt hervorgegangen – wir haben zusammen „Mehr Universität gewagt“ wie es unser Hochschulratsvorsitzender von uns gefordert hat! Wir haben nicht nur gemeinschaftlich eine neue Grundordnung als Verfassung unserer Hochschule verabschiedet, sondern, neben der lang geplanten, erfolgreichen Überführung der Organisation in Fachbereiche, auch noch einen Kulturkodex erarbeitet, der unser Zusammenwirken fair, auf Augenhöhe und als partizipativen transparenten Prozess definiert. 

Doch lassen Sie mich nun auf unsere Eckwerte im Abgleich mit den damaligen Forderungen eingehen. 

 

2.1 Ausbildung

Die HCU bietet heute 6 Bachelor und 6 Masterstudiengänge an. Dies sind immerhin 4 mehr als, die ursprüngliche Bachelor- und Masterplanung (Bauingenieurwesen, Architektur, Geomatik und Stadtplanung) vorgesehen haben. Dabei ist es gelungen, die Mischung aus klassischer akademischer Lehre sowie aber eben auch den lebensweltlichen Praxisbezügen aufrecht zu erhalten. Heute nimmt die HCU, entgegen der Gründungsdrucksache, über 100 mehr Studierende pro Jahr auf (aktuell 680 im Vergleich zu 575). Das Bemerkenswerte daran ist, dass dies sogar mit weniger als in der Gründungsdrucksache vorgesehenem Personal stattfindet. Gleichzeitig, da wir sehr erfolgreich im Bereich Drittmittel sind, ist unser Personalstand deutlich angewachsen – heute arbeiten 387 Menschen an der HCU!

Noch klarer wird es, sieht man, dass neben den grundständigen Programmen der Gründungsdrucksache mit der Veränderung von Geomatik zu Geodäsie und Geoinformatik, Kultur-Digitalisierung-Metropole, Hydrographie, Technische Gebäudeausrüstung mit digitaler Infrastruktur, Resource Efficency in Architecture and Planning sowie Urban Design sehr spezifische, teilweise außergewöhnliche Programme angeboten werden. Gerade letzterer Master, nun  vollständig auf Englisch umgestellt, existiert so nur noch an der TU Berlin in Deutschland. 

Lehre an der HCU ist auch nicht nur das klassische 90 Minuten-Schema. Experimentelle Lehre, Exkursionen, Stegreife sowie weitere innovative Formate runden das Portfolio ab. Dafür Sorge tragen Professor:innen, wissenschaftliche Mitarbeitende und unsere geschätzten Lehrbeauftragten, denen ich, ebenso, wie den guten Geistern der Verwaltung, die unsere Lehre seit Jahrzehnten (kann man ja jetzt sagen) hilfreich zur Seite stehen.

Und wir haben hochengagierte Studierende – bei uns ist forschende, inter- und transdisziplinäre Lehre kein Wording, sondern gelebte Praxis. Dem KI-Zeitalter begegnen wir offen, neugierig und finden die Balance aus traditioneller und klassischer Lehre, innovativen Formaten sowie manifesten Ausbildungselementen. Wir sind sehr stolz auf unsere Absolvent:innen, die schon vielfach im Studium Jobangebote erhalten und für uns alle im wahrsten Sinne ein Stück Zukunft bauen. 

In Zahlen ausgedrückt: Die HCU ist nachgefragt sowie „ausgebucht“ (mit über 2.600 statt der geplanten 1.500 Studierenden) und zwar in (fast) allen Programmen. Nur unser jüngstes Programm wächst gerade erst (kräftiger) auf. Es ist sehr wichtig, hier eine funktionsfähige Struktur weiter entstehen zu lassen, da wir genau diese Fähigkeiten aktueller denn je, man denke nur an das Fiasko Stuttgart 21, benötigen.

 

2.2 Forschung und Transfer

In der Forschung hat die HCU sich deutlich weiterentwickelt, als man dies bei dem ursprünglichen Clash of Cultures hätte erwarten dürfen. Dabei sind es nicht nur Einzel- und interne Verbundprojekte, sondern die HCU ist in den letzten Jahren vor allem auch in ihren externen Verbundprojekten, spezifisch mit Hamburger Partneruniversitäten, allen voran der TUHH sowie auch der UHH, erfolgreich gewesen. Sie hat sich als fester Bestandteil in der nationalen Wissenschaftslandschaft etabliert und reüssiert sowohl bei den Bundesministerien, der EU als auch der DFG. 

Dieser erfolgreiche Weg wäre ohne ein gutes Zusammenspiel aus Forschung und Verwaltung gar nicht möglich gewesen. Insofern gilt an dieser Stelle schon einmal vorab mein Dank all denjenigen, die zu diesem großen Wachstum und Erfolg maßgeblich mitgewirkt haben – wir in der Wissenschaft kennen alle die nächtlichen Antragssessions oder auch die unabdingbare notwendige und hochgeschätzte Unterstützung durch die dienstbaren Geister der Verwaltung. Ohne diese beiden Komponenten, den Willen, die Forschungsneugierde aber eben auch die helfende Unterstützung sowie Sachkenntnis kann man nicht erfolgreich sein

In Zahlen ausgedrückt konnten allein mit dem Graduiertenkolleg, dem UNITAC im Rahmen des UN-Habitat, dem CUT (Connected Urban Twin), dem Dar Safi Projekt sowie den HAWICC-Projekten kumuliert weit über 60 Mio. Euro Drittmittel seit 2019 (weitestgehend noch laufend) eingeworben werden. Es handelt sich mit Sicherheit hierbei um eine gute Mischung. Ein DFG-Graduiertenkolleg ist prinzipiell eher im Bereich der Grundlagenforschung zu verorten. Die anderen Projekte sind eher in der Hybrid- oder angewandten Forschung verortet.

Wie elementar auch diese Art der Forschung bzw. der Transfer ist, sieht man an vielen Stellen, z.B. UNITAC, CUT (CSL), DAR SAFI, SURE und die vielen Projekte im HAWICC. Damit kann sich die HCU nicht nur weiter in der Forschungslandschaft positionieren, sondern die auch vielen Talenten die Möglichkeiten zu Qualifizierungsarbeiten ebenso eröffnen, wie auch der Ursprungsdrucksache gerecht werden. Wir verstehen Transfer dabei sowohl als wirtschaftliche als eben auch gesellschaftliche Aufgabe. 

Und mal „nackt in relativen Zahlen ausgedrückt“, hat die HCU, fasst man Forschung und Transfer zusammen, inzwischen eine Quote von 56% Drittmitteln zu 44 % Haushaltsmitteln. Um das in Relation zu setzen: Mit diesen über 56% verausgabter Drittmittel legt die HCU, die 2019 bei 45% dieser Quote lag, nochmals deutlich zu. Ein weiterer Indikator für die große Leistungsbereitschaft und Leistungsstärke der Forschenden an der HCU. 

Hinzu kommen – das wird häufig vergessen – dass die HCU sehr erfolgreich bei architektonischen Wettbewerben teilnimmt, unsere Publikationsdichte zugenommen hat, wir deutlich erfolgreicher bei der DFG Forschung geworden sind (auch Einzelprojekte) und auch viele der Post-Docs der HCU bundesweit und sogar international Professuren erlangen. All das spricht für eine aktive und sehr strukturierte Vorgehensweise. Einmal mehr – und das finde ich sehr wichtig – ist hier das Zusammenspiel von Wissenschaft und Verwaltung der Erfolgsschlüssel, dafür Dank, Respekt und Anerkennung an alle Beteiligten. 

Und – kleiner Teaser – schon lange träume ich davon, dass wir auch in den nächsten Jahren einmal federführend einen Sonderforschungsbereich der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der HCU verankern können. Die Leistungsstärke haben wir dazu aufgebaut und darauf sollten Sie alle stolz sein. In Kombination mit der Einzigartigkeit der an der HCU vertretenen Fachgebiete, denken wir, dass dazu gute Chancen bestehen. Daran schließt auch unmittelbar der letzte Punkt der Gründungsdrucksache an, die Exzellenz. 

 

2.3 Exzellenz

Nun könnte die berechtigte Frage sein: Ist die HCU auch dem vierten Punkt „Exzellenz“ in den ersten 20 Jahren gerecht geworden. Würde man das an der Exzellenzinitiative allein messen, kann man zumindest konstatieren, dass die HCU im Exzellencluster CLICCS beteiligt ist. Fasst man den Exzellenzbegriff aber weiter auf und sieht die Einzigartigkeit z. B. des international hoch renommierten Studiengangs „REAP“ oder auch dem einzigen Hydrography-Studiengang in Deutschland

Auch ungewöhnlich für eine kleine Universität ist die Tatsache, dass sowohl mit dem berühmten MIT schon (Boston USA, seit 2015  CSL), lange Zeit dem IIT (Chicago USA) oder auch dem RIT (Rochester USA, seit 2025 offiziell) mit Spitzeninstitutionen der US-amerikanischen Wissenschaftsszene umfängliche Verträge und Kooperationen geschlossen wurden. 

Ganz besonders hervorheben möchte ich – nochmals – das DFG-Graduiertenkolleg, welches jüngst nach der Begehung mit dem kleinen Nebensatz „Urban Future-Making setzt Standards“, verlängert wurde. Darüber hinaus ist die HCU – schön wäre hier würde man die Chance ergreifen – auch aktiv dabei das Deutsche Forschungszentrum Künstliche Intelligenz als zunächst Reallabor, dann Standort in Hamburg zu verorten. Ebenso könnte man die Exzellenz daraus ableiten, dass die HCU immerhin einer der vier, bald fünf Standorte des Deutschen Zentrums für Mobilität der Zukunft des Bundesverkehrsministeriums (BMV) ist. 

Vor dem skizzierten Hintergrund eines erweiterten Verständnisses und den bestehenden Rahmenbedingungen, kann man aus meiner Sicht durchaus von Exzellenz sprechen.

Bitte beurteilen Sie selbst, ob und wie wir den 20 Jahre alten Auftrag erfüllt haben – zumindest ich kann mich nur im Namen aller, die von dieser enormen Leistung der HCU profitieren, herzlich bedanken. Die Stadt kann mit uns planen und auf uns bauen – wir sind absolut verlässliche Partner!

 

3 Was sagt unsere neue beste Freundin - die KI

Nun stellt sich eine weitere wichtige Frage: Wie stehen wir relativ gesehen da? Woran orientieren wir uns? In einer typischen Kennzahlgetriebenen Welt – was nicht immer ideal für die Wissenschaft ist – kann man dies zumindest mal in einer Excellogik versuchen. Hinzu kommt, wir haben eine „neue beste Freundin“ – die KI. 

Ich habe mal genau diese KI-befragt: 

„Falls Sie die Zahl im Kontext der HCU-Gründung oder eines Hochschulbudgets betrachten, kann ich auch berechnen, welchen heutigen Wert die 13,4 Mio. € unter Berücksichtigung der deutlich stärker gestiegenen Kosten für:

* Personal (TV-L),

* Baukosten,

* Energie,

* IT/Digitalisierung

hätten. In Hochschulen liegt die reale Kostensteigerung seit 2006 typischerweise deutlich über der allgemeinen Verbraucherpreisinflation. Dadurch käme man eher auf einen Gegenwartswert von etwa 28 Mio. €, je nach Kostenstruktur.“

Die nackte Zahl allein reicht aber nicht, sieht man, dass ursprünglich 65 Professuren in der Gründungsdrucksache verankert waren – leider (!) hat man dieses Niveau nicht halten können (dürfen?), da das Globalbudget dies nicht hergeben würde. 

Umso erstaunlicher ist die Drittmittelquote von 56%. Die KI meint dazu:

„Vor dem Hintergrund der fachlichen Struktur der HafenCity Universität Hamburg (Architektur, Bauingenieurwesen, Stadtplanung, Geomatik, Urban Studies) würde man im deutschen Vergleich typischerweise keine Drittmittelquoten wie bei TUM, RWTH oder KIT erwarten. Eine Quote von etwa 25–40 % Drittmittel im Verhältnis zu den Grundmitteln wäre bereits ein guter bis sehr guter Wert.“ 

Oder, will man es pro Kopf (W3- und W2-Professuren) ausdrücken, wo wir aktuell bei – je nach Rechenart 335.000 (mit Juniorprofessuren) oder 365.000 Euro liegen. Die KI meint:

„Für die strategische Steuerung einer Einrichtung wie HCU oder eines Zentrums wie HAWICC würde ich daher eine durchschnittliche Zielgröße von 200.000 € pro Professur und Jahr als ambitioniert, aber realistisch ansehen. Ab 300.000 € im Durchschnitt über alle Professuren läge die Hochschule bereits deutlich über dem Niveau vieler kleiner und mittlerer deutscher Universitäten.“

Natürlich ist die KI nicht allwissend und man könnte mir vorwerfen, dass die Zahlen durch die Prompts beeinflusst werden – lassen Sie mich Ihnen sagen: Der Deutsche Hochschullehrerverband veröffentlicht viele dieser Zahlen konventionell. Im Realitätscheck werden sie feststellen, dass die KI ein klares und ehrliches Bild zeichnet: Die HCU ist – gemessen an ihrer Größe und den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln – überaus leistungsstark und dabei wurde noch gar nicht über Preise, Wettbewerbsteilnahmen, künstlerisch-architektonische Werke, die hohe Qualität der wissenschaftlichen Publikationen etc. gesprochen. 

Ohne es überstrapazieren zu wollen: Jede und jeder an der HCU leistet hier einen weit überdurchschnittlichen Beitrag zum Gesamterfolg. Dafür mein ausdrücklicher Dank!

 

4 Freiheit und Gerechtigkeit

Lassen Sie mich zum Ende hin nochmals auf den Gedanken der Freiheit vom Anfang zurückkommen. (Wissenschafts-)Freiheit ist die Grundvoraussetzung um dem Kern der Wissenschaft, nämlich dem Wissen schaffen, ungehindert nachgehen zu können. Wenn dazu aber notwendige Grundlagen durch exogene politische Einflüsse entzogen werden, besteht die Gefahr, dass wir nicht mehr „Wissen schaffen“, sondern ganz andere Entwicklungen einsetzen. 

Umso wichtiger ist es, dass Institutionen, wie unsere HCU vor jeglicher Form von Übergriffigkeit geschützt werden. Man muss nicht immer einer Meinung sein, denn im Diskurs, gar in der Auseinandersetzung liegt durchaus manchmal die Essenz der Erkenntnis und die Lösung. Doch wenn man sich einigt, also ein vereinbarter und vertraglich fixierter Konsens erzielt wurde, ist dieser auch einzuhalten, damit die Verlässlichkeit der Planung für die Institutionen gegeben ist.  

Es muss sichergestellt bleiben, dass wir unseren Aufgaben so wie bisher nachkommen können, damit die Erfolgsgeschichte einer der kleinsten Deutschen Universitäten auch so, wie wir es uns alle wünschen und wie es einmal vereinbart war, fortgeschrieben werden kann. Dazu gehört auch, dass fair und verlässlich gehandelt wird. Der amerikanische Philosoph John Rawls hat es 1970, meinem Geburtsjahr, in deiner Theorie der Gerechtigkeit wie folgt einmal formuliert:

„Wir wollen uns also vorstellen, dass diejenigen, die sich zu einer gesellschaftlichen Zusammenarbeit vereinigen wollen, in einem gemeinsamen Akt die Grundsätze wählen, nach denen Grundrechte und -pflichten und die Verteilung der gesellschaftlichen Güter bestimmt werden. Die Menschen sollen im Voraus entscheiden, wie sie ihre Ansprüche gegeneinander regeln wollen und wie die Gründungsurkunde ihrer Gesellschaft aussehen soll. (…) Die Entscheidungen, die vernünftige Menschen in dieser theoretischen Situation der Freiheit und Gleichheit treffen würden, bestimmt die Grundsätze der Gerechtigkeit. (…) Den Urzustand könnte man den angemessenen Ausgangszustand nennen, und damit sind die in ihm getroffenen Vereinbarungen fair. Das rechtfertigt die Bezeichnung „Gerechtigkeit als Fairness. Sie drückt den Gedanken aus, dass die Grundsätze der Gerechtigkeit in einer fairen Ausgangssituation festgelegt werden.“

Ganz zu Beginn sagte ich, dass ich zu dem Geburtstagswunsch zurückkehren würde. Dieser ist ganz einfach: 

An alle Menschen, denen die HCU am Herzen liegt: Lassen Sie uns weiterhin gemeinschaftlich diese Hochschule entwickeln, ihre besonderen Potenziale heben und dafür Sorge tragen, dass wir fair, offen und gemeinschaftlich für die Studierenden die bestmöglichen Rahmenbedingungen schaffen. Diese sind die Zukunft Hamburgs, sie sind unsere Zukunft, auf die wir uns im Zweifel verlassen können. Ihnen gebührt alles Engagement, damit diese bestmöglich in einer freien Welt ihre Potenziale entfalten können. Diese darf nicht Sparzwängen geopfert werden, sondern ganz im Gegenteil gilt es mutig voranzuschreiten und keine Mühen zu scheuen – für ein besseres, nachhaltigeres, diverseres und gerechteres wissenschaftsbasiertes Miteinander, welches ich mir für diese Generation und für uns alle zu diesem besonderen Geburtstag und insbesondere die ganze HCU wünsche.

 

Zum Geburtstag möchte ich Ihnen bzw. 
uns allen von Herzen gratulieren – 

heute sind wir alle (noch einmal) „20“!