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Architektur-Absolventin erhält Rompreis der Bundesregierung

HCU-Absolventin Lisa Marie Zander wurde mit ihrem Kollektiv PlanBude in der Rubrik Architektur mit dem Rompreis der deutschen Bundesregierung ausgezeichnet und tritt im Herbst 2026 ihr Stipendium an.

Beim Rompreis handelt es sich um ein Stipendium für einen zehnmonatigen Aufenthalt in der vom Bund getragenen Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom. Mit diesen Aufenthalten in Italien ermöglicht es die Bundesregierung außergewöhnlich begabten und hoch qualifizierten Künstlerinnen und Künstlern aus Deutschland, sich künstlerisch weiterzuentwickeln. Die Stipendien werden vollständig aus dem Bundesetat für Kultur und Medien finanziert. Lisas Aufenthalt startet im September 2026.

Zum Kollektiv gehören neben Lisa Marie Zander die Stadtplanerin Dr. Renée Tribble und die Künstler:innen Margit Czenki und Christoph Schäfer. Neben dem Kollektiv „PlanBude“ wurden sieben Einzelpreisträger:innen aus den Bereichen Architektur, bildende Kunst, Literatur und Musik ausgewählt. In der Sparte Architektur trafen Elena Schütz, Ayşin İpekçi und Anh-Linh Ngo die Juryentscheidung.

Lisa Marie Zander hat im Oktober 2013 ihr Studium an der HafenCity Universität begonnen und drei Jahre später ihren Bachelor in Architektur abgeschlossen. Ihren Master of Fine Arts hat sie 2020 im Bereich Design an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg absolviert und dabei unter anderem bei Prof. Dr. Jesko Fezer und Jeanne van Heeswijk gelernt.

Der HCU ist die heute 33-Jährige in verschiedenen Kontexten treu geblieben: Sie hat Lehraufträge in den Studienprogrammen Architektur und Urban Design übernommen und eine Summer School mit Momoyo Kajima betreut. Im aktuellen Wintersemester hat sie Seminare und Vorlesungen im Bachelor- und Masterprogramm Architektur gegeben. Außerdem publizierte sie zuletzt in der Zeitschrift ARCH+ 258 Urbane Praxis. 

Während ihres Architektur Studiums hat Lisa Marie Zander 2014 gemeinsam mit Margit Czenki, Dr. Renée Tribble und Christoph Schäfer das Kollektiv „PlanBude“ gegründet. Anlass war der künstlerisch planerische Beteiligungsprozess „Wir nennen es Planbude“ zur Neuplanung der Esso Häuser im Hamburger Stadtteil St. Pauli.

Mit Marius Töpfer, Marieke Behne, Renée Tribble und Dominique Peck gründete sie 2020 das Projektbüro, das seit nun mehr als fünf Jahren in Hamburg und darüber hinaus im Bereich Architektur, Planung und Urban Design in unterschiedlichen Maßstäben arbeitet: Zuletzt zur Erweiterung von Park Fiction an der St. Pauli Hafenkante, an der nun „das grüne Ding“ von Rabe Landschaften und White Arkitekter entsteht, oder dem Projekt „Ein Zimmer für dich.“ in Berlin.

Hier beantwortet uns Lisa Marie Zander Fragen zum Rompreis und zur anstehenden Zeit in der Villa Massimo – und gibt Studierenden ihre persönlichen Erfahrungen weiter:

Wie war der Bewerbungsablauf und welche Anforderungen gab es für den Rompreis?

Das Onlineportal für die Bewerbung wird erst kurz vor Einreichungsschluss freigeschaltet. Man bewirbt sich mit seinem Portfolio, das international bekannte Projekte enthalten muss. Das empfinde ich rückblickend als größte Hürde. Und dann klingelte ein paar Monate später mein Telefon mit der Zusage, bei der wir sofort entscheiden mussten, ob wir das Stipendium antreten. Es ist sehr aufregend und gleichzeitig eine große Ehre. Ich freue mich darauf zehn Monate in Rom zu verbringen um meine bisherigen Arbeiten zu reflektieren und an neuen Vorhaben zu arbeiten.

Was planst Du für Deinen Aufenthalt in der Villa Massimo?

Gemeinsam mit meinem Kollektiv wollen wir den Prozess der PlanBude aufarbeiten und in eine Publikation übersetzen. 

Neben der kollektiven Arbeit werde ich an der Fragestellung der Ästhetik des Partizipativen arbeiten. Dabei möchte ich unter anderem erarbeiten, welche spezifische Ästhetik Teilhabeprozesse in der Geschichte der Architektur hervorgebracht haben.

Vor Ort werden wir außerdem an die Kooperation mit dem Metropoliz, die wir bereits im letzten Jahr in einem gemeinsamen Projekt begonnen haben, anknüpfen. Das Metropoliz ist ein Ort am Rande Roms in dem sich Künstler:innen und Aktivist:innen zusammen getan haben, um eine ehemalige leerstehende Wurstfabrik zu einem Museum und Wohnraum für Geflüchtete umzubauen und zu besetzen. Sie betreiben diesen Ort seit über 15 Jahren. Das Metropoliz soll in den nächsten Jahren gemeinsam mit der Stadt Rom institutionalisiert werden. Es sollen Sozialwohnungen entstehen und das Museum soll renoviert werden. Diesen Prozess möchten wir begleiten und unterstützen. 

Was gibst Du unseren (Architektur-)Studierenden mit auf den Weg? 

Studierende interessieren sich oft für meine Bürogründung. Dafür empfehle ich – sucht Euch gute Partner:innen, macht Euch bewusst, dass Ihr Höhen und Tiefen haben werdet, setzt nicht alles auf eine Karte und baut Eurer Büro Schritt für Schritt auf.

Generell war es für mich selbst eine Bereicherung und eine gute Vorbereitung für die Bürogründung, dass ich mich neben dem Studium immer engagiert und gearbeitet habe. Das bietet viele Chancen, denn man lernt neue Themen kennen, kann Kontakte knüpfen und sammelt Arbeits- und Praxiserfahrungen. Auch wenn es natürlich neben allen anderen Verpflichtungen manchmal herausfordernd ist. 

Meiner Erfahrung nach braucht es außerdem eine Offenheit für Kooperationen und ein Vertrauen in das, was vor einem liegt, wofür man eine Leidenschaft entwickelt.

Bildmaterial 

  • Portrait Lisa Marie Zander (Foto: Paula Markert)
  • Lisa Marie Zander unterwegs im Museo dell'Altro e dell'Altrove di Metropoliz (MAAM) (Foto: Margit Czenki)
  • ARCH+ Ausgabe 258 - Urbane Praxis
  • Artikel zum Kooperationsprojekt der PlanBude mit dem Museo dell'Altro e dell'Altrove di Metropoliz (MAAM), Rom (2024) (ARCH+ Ausgabe 258 - Urbane Praxis)
  • Museo dell'Altro e dell'Altrove di Metropoliz (MAAM), Rom (2024) (Fotos und Skizzen: PlanBude)
  • Temporäre Vorwegnahme der Umgestaltung der Hafenkante auf St. Pauli (2024) (Foto: DorfmüllerKlier)
  • Testraum an der Hafenkante (Visualisierung: Projektbüro)