--------------------
  • Bachelor
  • Architecture
  • Civil Engineering
  • Geodesy and Geoinformatics
  • Urban Planning
  • Metropolitan Culture
    • ----------
    • Für Studieninteressierte
    • Studium | Perspektiven
    • Forschung
      • ----------
      • Kulturtheorie und kulturelle Praxis
      • Stadtanthropologie/-ethnographie
      • Pleasurescapes
      • KM-Dissertationsprojekte
      • Publikationen
      • HafenCity Lectures
      • ----------
    • Veranstaltungen
    • Team
    • Netzwerk
    • Contact
    • ----------
  • Fachübergreifende Studienangebote
  • Lehrkooperationen
  • Jobs
  • Weiterbildung
  • Studierendenvertretung
--------------------

Laufende Dissertationsprojekte am Studiengang

In seinem künstlerisch-wissenschaftlichen Forschungsprojekt ‘Material Citizenship’ beschäftigt Moritz Frischkorn sich mit der Frage, wie Alltagsgegenstände und Dinge durch Choreographie artikuliert werden können, um Teil von bürgerschaftlichen Kollektiven zu werden. Angelehnt an die Handlungstheorie Bruno Latours und jüngere objekt-orientierte Philosophie entwickelt er choreographische Ontologien und forscht nach Dingen als Performer. Konkreter Ausgangspunkt der Forschung, die von Mirjam Schaub und Kerstin Evert betreut wird, sind Formen sozialer Proteste, in denen Dinge ihren herkömmlichen Ort verlassen und als Mithandelnde an der Neu-Verhandlung gemeinschaftlicher Lebenswelten teilzunehmen. Wenn plötzlich maßenhaft Regenschirme in den Straßen von Hong-Kong auftauchen und zur Phalanx gegen Tränengas werden, oder Klobürsten unter Jacken hervorgezogen und von der Polizei konfisziert werden, kündigt sich damit nicht das Versprechen einer performativen Neuordnung des Verhältnisses von Ding und Mensch an? Wie kann eine solche Neuordnung als choreographische Ordnung beschrieben und zugleich getanzt werden?

 

Zahlreiche Videos, gedreht mit Digitalkameras oder Handys, werden täglich auf Internetportalen veröffentlicht. Viele dieser Videos erzählen von einem lokalen Kontext, von Veranstaltungen und Festen oder einfach von den Video-MacherInnen selbst. Welche Erwartungen werden an eine Veröffentlichung geknüpft und welche Konzepte von Öffentlichkeit seitens der MacherInnen bestehen? Lassen sich gar innovative Entwürfe von Öffentlichkeit und Teilhabe ableiten? Oder sind es die audiovisuellen Selbstrepräsentationen, die erst ein Konzept von Öffentlichkeit konstruieren?

Mit diesen Fragestellungen wird sich das Forschungsprojekt befassen. Das Projekt konzentriert sich auf Stadtteile des Hamburger Ostens, auf Hamm, Horn, Billstedt, Mümmelmannsberg. Diese Stadtteile werden von keiner homogenen Öffentlichkeit geprägt, es koexistieren unterschiedliche Öffentlichkeiten bzw. Subkulturen, die Spuren ihrer Aktivitäten, Sichtweisen und Wahrnehmung des Stadtteils hinterlassen – auch durch Videos im Internet.

Im Zentrum des ethnographischen Teils des Forschungsprojekts steht die Analyse audiovisueller Selbstrepräsentationen, die im Hinblick auf die oben genannten Fragen untersucht werden. Ergänzend werden Interviews mit AkteurInnen, die im Idealfall auch ProduzentInnen der Amateurvideos sind, geführt. Die Analyse wird erweitert durch künstlerisch-mediale Interventionen, die Möglichkeiten schaffen, audiovisuelle Materialien aus den untersuchten Stadtteilen zu zeigen, zu diskutieren und zu transformieren.

 

Citizenship und damit die Zugehörigkeit zum Kollektiv wird im modernen Nationalstaat nicht zuletzt über die Herstellung und Ausgabe von bestimmten Dokumenten organisiert: Geburtsurkunden, Pässe und Arbeitserlaubnisse sind nur einige Beispiele für Dokumente, die verschiedene Stufen und Qualitäten der Zugehörigkeit markieren. Weil jedes Dokument auch ein Artefakt, ein handwerklich hergestelltes und aufmerksam gestaltetes Ding ist, lässt sich sagen, dass Citizenship und Zugehörigkeit eng mit diesem performativen Vorgang seiner Herstellung verbunden sind. Diese Verbindung möchte ich auf sowohl künstlerische wie auch wissenschaftliche Weise im „Institut für Falisifikate“ untersuchen. In diesem Institut soll die Produktion von Artefakten und Dokumenten aller Art durchgeführt und gemeinsam mit den Akteuren soll die Forschungsfrage der artifiziell regulierten Teilhabe an Bürgerschaft diskutiert und ggf. nachjustiert und nachverhandelt werden um den Prozesss des gegenseitigen Wissensaustausches, des gegenseitigen Lernens und der Wissensintegration zu ermöglichen.

Citizenship wird in diesem Forschungsprojekt unter dem Gesichtspunkt der bürokratischen Abläufe und Verfahren betrachtet. Das staatsbürgerliche Dokument hat, ebenso wie andere Artefakte, positive wie negative Auswirkungen auf seinen Besitzer. Zugang und Teilhabe sind durchweg reglementiert durch Materialien, denen die Identifikation und Zugehörigkeit zu einem sozialen Gefüge eingeschrieben ist. Dementsprechend findet sowohl das Kunstwerk als auch das Dokument als Objektivierung des Bürgers und als Zugangsberechtigung . Verwendung, etwa zur demokratischen Partizipation bei Wahlen. Doch das Dokument/Artefakt allein reicht nicht: Es soll original, echt, authentisch sein. In der Beschäftigung mit Citizenship und deren performativer Herstellung will ich mich mit folgender Frage beschäftigen: Wie funktioniert Artefaktproduktion als Ausdruck und Distribution bürgerlicher Rechte in Abhängigkeit von künstlerischer Mimesis und demokratischer Teilhabe im öffentlichen Kontext?

Antworten auf die Frage, welche Artefakte die Zugehörigkeit zum Bürgertum schaffen und bestimmen, sind nicht nur in der politischen Sphäre zu finden, sondern ebenso in der performativ-künstlerisch und ästhetischen Praxis. Die Performance als ästhetisch-künstlerischer Zugang und als Methode scheint mir deshalb ein probates Mittel, um die der Citizenship zugrundeliegenden Machtstrukturen zu untersuchen.

 

Die Rolle der Hansestadt im deutschen Kolonialismus und entsprechende Spuren davon im Stadtraum wie in einer öffentlichen Debatte, sind als erinnerungspolitisches Feld Ausgangspunkt für eine Beschäftigung mit performativen Formen der Erinnerung, Geschichtsaufarbeitung und Geschichtsschreibung durch das Medium Sound. Klang und Akustik werden als Forschungsperspektive auf den Zusammenhang von Erinnerungskultur und Stadt genutzt. Das Vorhaben versucht Politiken und Akte des Zuhörens theoretisch zu konzeptionieren und künstlerisch zu gestalten und vermitteln.

Anhand der beiden künstlerischen Forschungsprojekte How to hear the invisible und Call to Listen werden Situationen des Zuhörens initiiert, die eine Aufarbeitung von und Erinnerung an koloniale Politiken gleichermaßen verräumlichen und enträumlichen. Die Projekte untersuchen, wie der Kolonialismus mit seinen Kontinuitäten und Auswirkungen in einer zeitgenössischen Erinnerungskultur thematisiert wird und welche Perspektiven darin Repräsentation finden. Dabei steht besonders im Fokus, wie bestehende Konstruktionen von Raum, Geschichte und Gedächtnis durch post_koloniale und antirassistische Arbeit erinnerungskulturell mitbestimmt und performativ umgedeutet werden.

Künstlerisches Arbeiten mit Klang als nicht-visueller Kunstform wird genutzt, um partizipatorische Akte des Zuhörens und Erinnerns zu gestalten und nach einer akustischen Ausdrucksweise zu suchen, die sich ich einer vorherrschenden monumentalen Erinnerungskultur schon der Form nach widersetzt. Durch die Auseinandersetzung mit dem Phänomen Stimme wie mit unterschiedlichen akustischen Verfahrensweisen (Klangqualität, Montage und akustische Figuren) werden Möglichkeiten und Spezifika der akustischen Repräsentation sowie das politisches Potential von Sound als Medium der Intervention, der Kommunikation und schließlich der Erinnerung unter postkolonialen Fragestellungen ausgelotet.

www.how-to-hear-the-invisible.org

 

Seit den 1990er Jahren haben temporäre architektonische und künstlerische Projekte, die verstärkt Laien und Betroffene involvieren, in den Debatten um Konzepte der Stadtentwicklung und Stadtplanung an Bedeutung gewonnen. Das Architektenkollektiv raumlaborberlin gilt in diesem Zusammenhang als wichtiger Akteur. In ihrer Selbstdarstellung formulieren sie ein prozessuales Verständnis von Stadt und Urbanität; Städtebau verstehen sie als „kulturelles Projekt“ und ihre Rolle darin vor allem als Impulsgeber.

 

Die ethnografische Arbeit „Temporäre Raumgestaltungen“ untersucht an einem Fall – dem Projekt Eichbaumoper – die Arbeitsweisen von raumlaborberlin und arbeitet Praxisbereiche, Akteursverbindungen, Konfliktfelder und historische Verbindungslinien qualitativ heraus. Die Arbeit möchte auf diese Weise einen empirischen Beitrag zu den architektonischen und planerischen Debatten um partizipative, interventionistische und künstlerische Projekte leisten.

 

Katrin Klitzke hat einen BA in Soziologie der University of Sussex (GB) und einen Magisterabschluss in Europäischer Ethnologie, Soziologie und Politikwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 2008 bis 2011 war sie Stipendiatin im interdisziplinären DFG-Graduiertenkolleg „Kunst und Technik“ in Hamburg. Von 2009 bis 2013 war sie Lehrbeauftragte im Masterstudiengang Urban Design an der HafenCity Universität Hamburg.

 

Lässt sich etwas wie eine elektrische Rhetorik entwickeln?

Ein mächtiges Mischwesen aus RednerIn und Verstärkungstechnik,Elektrizität und Stimme erobert Raum akustisch für die Öffentlichkeit zurück. Das PUBLIC ADDRESS SYSTEM arbeitet wie ein Vogel, der sein Revier durch Gesang absteckt.

Das künstlerisch-wissenschaftliche Forschungsprojekt PUBLIC ADDRESS SYSTEM untersucht die Technik, die eine Politische Rede spricht. Das sind die Apparate der Mikrofonierung, Verstärkung und Übertragung genauso wie die menschliche Stimme als Medium und Rhetorik als argumentative, sprachliche, mimische und gestische Technik. Die Vortragsebene der Politischen Rede als Performance wird aus einem speziellen Blickwinkel heraus betrachtet: ausgehend von der beteiligten Sound-Technik.

Public Address (PA) ist die soundtechnische Bezeichnung für ein Beschallungs-System aus Verstärkern und Lautsprechern. Eine PA macht zum Beispiel die einzelne Stimme für eine Menge hörbar. Die Stimme der Rednerin/ des Redners wird über ihre natürliche Reichweite hinaus verbreitet, verstärkt,veröffentlicht. Damit werden  Orte des Horchens und Gehorchens bestimmt und erweitert. Das Projekt PUBLIC ADDRESS SYSTEM untersucht, wie sich der Raum der Politik als Einflussbereich von Stimmen akustisch immer neu herstellt und einteilt.

Im Kontext der Hamburger Recht auf Stadt Bewegung kann eine wirksame Rede bedeuten, im öffentlichen Raum etwas Neues anzufangen. Gemeinsam mit AktivistInnen als AlltagsexpertInnen im Funktionieren und Scheitern öffentlicher Ansprache wird in Workshops performative Forschung betrieben: Politische Reden sollen als ein Handeln und Wirken vor Ort ausgelotet werden. Angelehnt an das Vorbild im Londoner Hyde Park entsteht auf St. Pauli eine Speakers Corner. Prinzipiell kann  hier jeder sprechen. RednerInnen, AktivistInnen, PhilosophInnen, StadtforscherInnen, ArchitektInnen, KünstlerInnen und PolitikerInnen werden außerdem eingeladen, Redebeiträge zu entwickeln. Es finden Reenactments historischer Reden, von der Fingersprache der Rhetorik Quinitilians inspirierte Choreographien statt; historische Stimmverstärkungsapparate aus der Zeit vor Erfindung des Lautsprechers werden erprobt, Sprachrohr, Megafon oder chorische Verstärkung experimentell eingesetzt. Wie verändert diese Auseinandersetzung mit Redetechnik politische Debatten, Versammlungen und Aushandlungsprozesse im Stadtteil?

 

Das Dokumentarische ist in der heutigen Medienlandschaft präsenter und vielfältiger in seinen Erscheinungsformen als je zuvor. Auch im Feld der Stadtentwicklung finden sich dokumentarische Medienformate und Ästhetiken. Gerade vor dem Hintergrund von Partizipation und Bürgerbeteiligung und einem Verständnis von Stadt als einem gemeinsamen (Aus-)Handlungsraum scheint die Ausrichtung des Dokumentarischen auf performativ-prozessuale Vorgänge, seine spezifischen Wirklichkeitsbezüge und/oder Effekte der Meinungs- und Bewusstseinsbildung interessante Möglichkeiten zu bieten, gängige medialen Praktiken im Feld der Stadtentwicklung zu ergänzen. In meinem Dissertationsprojekt werfe ich einen kulturwissenschaftlichen Blick auf dieses Feld der Stadtentwicklung, stelle aktuelle und historische Erscheinungsformen und mediale Praktiken des Dokumentarischen zur Thematisierung des Städtischen systematisierend zusammen und ziele darauf ab, seine Rolle in diesem Kontext genauer zu verstehen.

Janina Kriszio studierte in Kiel und Hamburg Kulturanthropologie und ergänzte ihr Studium durch einen Master in Visueller Anthropologie, den sie am Granada Centre for Visual Anthropology in Manchester/UK erhielt. Nach einem wissenschaftlichen Volontariat im Deutschen Auswandererhaus in Bremerhaven arbeitete sie vielfach projektbasiert in kuratorischen Zusammenhängen bei diversen Kunstprojekten und im Bereich dokumentarischen Films. Seit Juni 2009 arbeitet sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Studienprogramm Kultur der Metropole und unterstützt hier die Professur für Kulturtheorie und Kulturelle Praxis und ist in der Lehre auf die Realisierung und Betreuung von Projekten im Bereich visueller Kultur ausgerichtet.

The overall aim of this research is to deconstruct step by step the several dimensions and power relations associated with the 'poor door' phenomenon which spatially segregates rich and poor residents in new residential buildings in London and New York City. This eases the way to understand how this local issue relates to national as well as global urban policies and how these policies tap into established discourses of urban neighborhood problems, transformations and the housing market. This research project is first of all interested in understanding residents’ experiences, finding out how they feel about their homes, communities and environments. From there it wants to unravel the specific policies, actors and practices associated with the 'poor door' phenomenon to be able to assess how this (un)intended territorialization of recent social mixing policies affects the urban neighborhood and what this might mean for both the provision of affordable housing and the social mix of residents.

Yuca Meubrink hat Nordamerikastudien und Europäische Ethnologie in Berlin studiert. Seit März 2014 unterstützt sie die Professur für Stadtanthropologie/-ethnographie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin. Zudem ist sie seit 2014 Redaktionsmitglied von s u b \ u r b a n. zeitschrift für kritische stadtforschung.

Elisabeth Konau beschreibt Bewegung als „konstitutiven Bestandteil ‚gelebten’ Raumes“. Christine Weiske bezeichnet Öffentlichkeit als ein Ereignis, „das durch seine Akteure und seine Szenerien stattfindet“. Gehen, das sich fortwährend in der Stadt ereignet und durch das die städtischen Akteure in direkten Kontakt miteinander geraten, eignet in diesem Zusammenhang als subversive Methode, sich Räume nicht nur anzueignen (De Certeau), sondern sie auch performativ zu konstituieren. Das Projekt untersucht, inwieweit Gehen städtische Räume mitgestaltet. Es greift auf Raumtheorien aus Philosophie und Sozialwissenschaften zurück und setzt sie in Bezug zu Theorien des Performativen aus den Performancewissenschaften. Dabei fokussiert sie auf choreographisch-künstlerische Interventionen und untersucht, wie Choreographen und Performancekünstler Gehen im öffentlichen Stadtraum eingesetzt und welche Wirkungen sie damit erzielt haben. Anhand von Untersuchungen aus Tanz- und Performancewissenschaften und den Leibtheorien der Phänomenologie wird untersucht, welchen Einfluss die leiblichen Aspekte des Gehens auf Raumkonstitutionen haben. Außerdem werden durch künstlerische Arbeiten Interventionen im Stadtraum erprobt: Was kann Gehen mit dem öffentlichen Raum anstellen?

As newcomer community Banglatown has been continuously shaped by migration. During the different phases of Industrialization, Deindustrialization, Shrinking as well as the Financial Crisis in Detroit this densely build single family home settlement in Detroit has been adapted to the needs of its residents. Home ownership has always been a determining factor for citizens in the single-family home Metropolis of Detroit. But why has it become so attractive to artists as well as newly arrived immigrants to live and invest in neighborhood structures, particularly residential homes from the 1920s in Banglatown, a formerly distressed neighborhood? What role do artists play that are engaged as community artists and residents investing in single-family dwellings in Banglatown?

This PHD project is investigating the relation between art, migration and residential real estate in the context of urban development. To find out who and what affects real estate value under which circumstance, I am combining qualitative field research with quantified data about residential real estate. My research is informed by my decade long experience as house owner and organizer of FILTER Detroit, a research residency, in the Banglatown neighborhood (www.filterdetroit.com).

Kerstin Niemann ist gelernte Immobilienkauffrau und Kulturwissenschaftlerin. Von 2006 bis 2010 war sie Research Kuratorin am Van Abbemuseum in den Niederlanden. In 2010 gründete sie FILTER Detroit, eine Research Residenz für Künstler, Macher, Musiker, Architekten und Denker in und außerhalb Detroits. Seit April 2016 arbeitet Sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin für das Studienprogramm Kultur der Metropole im Bereich Kulturerbe und Museumswissenschaften. Kerstin Niemann forscht zu Kunst als soziale Stabilisationsstrategie und Stadtentwicklung in Detroit. https://www.filterdetroit.org

Kerstin Niemann is a trained real estate agent and cultural scientist. From 2006 to 2010 she was a research curator at the Van Abbemuseum in the Netherlands. In 2010 she founded FILTER Detroit, a research residency for artists, makers, musicians, architects and thinkers in and outside Detroit. Since April 2016, she has been working as a research assistant for the Metropolitan Culture study program in the field of cultural heritage and museum science. Kerstin Niemann is researching art as a social stabilization strategy and urban development in Detroit. https://www.filterdetroit.org

 

 

Die Begriffe BEWEGUNG und MOBILISIERUNG sind hochinteressante – weil doppeldeutige – Begriffe, die zum einen auf das Feld der Politik, zum anderen aber auch auf den Bereich des Körpers und der Choreographie verweisen. In beiden Feldern geht es um „Versammlung in der Bewegung“ und um „das Werden der Vielen“ (Kunst 2014). In meinem Dissertationsvorhaben untersuche ich die Begriffe BEWEGUNG und MOBILISIERUNG im Spannungsfeld zwischen Choreographie/Tanz, Performance, Aktionismus und Politik. Meine künstlerische Forschung setzt sich mit der Praxis der Bewegung – im vielfachen Wortsinn – auseinander. Thema ist die Versammlung, und Präsenz widerständiger Körper in der Öffentlichkeit und die Herstellung von temporären kollektiven Identitäten in (der) Bewegung durch eine „soziale Choreographie“ (Hewitt 2005). Der Begriff der Versammlung funktioniert hier doppeldeutig – zum einen als politische Versammlung, zum anderen als Versammlung der Körper in der Bewegung. Beide Arten der Versammlung stellen temporär an einem bestimmten Ort Gemeinschaft her, wobei der Begriff der Gemeinschaft hier mit Nancy als „Mit-Sein“, als Kopräsenz gedacht wird und nicht als abgeschlossener Kollektivkörper. Im Rahmen der Versammlung ereignet sich das Politische im Zwischenraum, insbesondere im „Dazwischen“ der (sich bewegenden) Körper, die dadurch in besonderer Weise sichtbar werden. Die Arbeit an performativen Interventionsformaten, Märschen und kollektiven Tänzen im öffentlichen Raum und im sog „Theaterraum“ stellt also immer auch die entscheidende Frage nach der Sichtbarkeit von politischen Subjekten.

 

 

Als biologische Notwendigkeit sind die Praktik des Essens und damit verbundene Prozesse des Erwerbs von Nahrungsmitteln und ihrer Zubereitung allgegenwärtig. Darüber hinaus scheint es nicht nur in den letzten Jahren immer wieder Diskurse und Entwicklungen zu geben, die Essen als Produkt und Praktik auf verschiedenste Arten und Weisen thematisieren; sei es in Form von Lebensmittelskandalen, Kochsendungen, der Slow-Food-Bewegung, Eat Art oder in Supper Clubs und verschiedensten Koch- Events.

Auch Akteure wie Stadtentwicklungsbüros, Nachbarschaftsinitiativen, Firmen oder politische Gruppierungen veranstalten Ess- und Kochaktionen und verfolgen mit diesen verschiedenste Ziele. Diese Intentionen und Zuschreibungen an das Thema sowie die Praktik des kollektiven Essens und Kochens steht im Mittelpunkt der Dissertation. Diese so genannten Ess-Settings lassen sich aus unterschiedlichen Perspektiven beschreiben. Dazu zählen u.a. die sinnliche und die soziale Perspektive sowie die Aspekte der Repräsentation, des Performativen oder des Stereotypen. 

Ess-Settings können demnach als Forschungsversammlungen und Labore betrachtet werden, in denen kollektiv Themen bearbeitet werden. Im Mittelpunkt stehen dabei die Fragen, wie sinnliche Wahrnehmungen und Atmosphären in solchen Situationen zur Sprache kommen. Wie wird Implizites greifbar? Wie entstehen Dynamiken zwischen den teilnehmenden Personen und den Dingen? Was transportiert das Essen (nicht)? Was wird der kollektiven Nahrungsaufnahme und -zubereitung dabei zugeschrieben?

Die Forschung basiert auf einem ethnographischen Vorgehen, indem unterschiedliche Ess-Settings besucht und dicht beschrieben sowie Teilnehmende befragt werden. Darüber hinaus werden auch eigene Ess-Settings initiiert und dabei offene Fragen erprobt sowie mit dem Format des Forschungsdinners experimentiert.

Inga Reimers ist Kulturanthropologin. Zwischen Januar 2010 und April 2014 war sie als Studiengangskoordinatorin für Kultur der Metropole tätig. Seit Oktober 2013 unterstützt sie zudem die Professur Stadtanthropologie/-ethnographie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin. Außerdem war Inga Reimers Kunst- und Musikredakteurin bei den "Konspirativen KüchenKonzerten". Zwischen Mai 2012 und Dezember 2014 war sie Assoziierte im Graduiertenkolleg "Versammlung und Teilhabe. Urbane Öffentlichkeiten und Performative Künste".

Transnationalisierungsprozesse und Migrationsbewegungen haben in den vergangenen x Jahren in Europa eine veränderte religiöse und kulturelle Pluralität hervorgebracht (Dahinden et al. 2010), die in den Sozial- und Kulturwissenschaftenwissenschaftlich mal als "post-migrantisch" (Forutan 2014) und mal als "superdiversity" (Vertovec 2007) bezeichnet werden. Diese Analysen beschreiben gleichzeitig die Abwehr dieser Pluralität, nicht zuletzt verstärkt durch einen wachsenden Nationalismus, Rechtspopulismus und antimuslimischen Rassismus, und  untersuchen in diesem Zusammenhang "Kulturen der Ablehnung" (Bojadžijev et al. 2020). Abwehrreaktionen, gesellschaftliche Spannungsfelder und daraus erwachsende Konflikte, verändern das alltägliche Leben der Betroffenen. Der Lebenskontext von Migrant:innen wird vor allem auf der lokalen Ebene verhandelt. Insofern bekommt der städtische Raum, der in der Stadtforschung einerseits als Möglichkeitsraum (Bauder 2016) verstanden, andererseits auch in seinen Grenzen und ausschließenden Tendenzen problematisiert wird (Dahinden 2013), eine zentrale Bedeutung.  

Neben einer raum- und gesellschaftsanalytischen Perspektive von Acts of Citizenship westafrikanisch-muslimischer Moscheevereine in urbanen Räumen, ist ein zentrales Forschungsanliegen meiner Dissertation, mit der Perspektive von  Grenzziehungsprozessen, die Untersuchung der städtischen Alltagsrealitäten in Deutschland sozialisierter Jugendliche, welche sich als Schwarz  und muslimisch positionieren. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Analyse, ob und wie sich gegenwärtige antimuslimische Tendenzen, eine Dehumanisierung Schwarzer Körper und alltägliche Fremdzuschreibungen auf die Selbstverortung der Gesprächspartner:innen auswirken. Durch die Untersuchung verschiedener Handlungsarenen, lokaler (und damit spezifischer) Alltagspraxen und Prozessen von Aushandlungen von erlebten Abwehrreaktionen sollen primär Lebenswirklichkeiten Schwarzer Muslim:innen sichtbar werden.  

Sally Mary Riedel studierte Ethnologie (Magister Artium) an der Universität Hamburg. Sie beschäftigt sich sowohl wissenschaftlich als auch in der praktischen Arbeit mit Themen um Rassismus und Intersektionalität sowie Community Engagement und Politisierungsprozesse. Sie ist sie Gründerin und Vorstandsvorsitzende von MOSAIQ e.V. - ein rassismuskritisches Netzwerk in Hamburg.

Ende der 2020er Jahre soll das Deutsche Hafenmuseum in Hamburg eröffnet werden. Erklärtes Ziel dieses Museumsprojektes ist die Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex der Globalisierung anhand von Häfen und globalem Handel.
Ausgehend von theoretischen Konzepten der Raum- und Wissensproduktion fragt das Promotionsprojekt, wie die Transformation des räumlichen Phänomens Globalisierung in den epistemischen Raum des Museums vonstatten geht. Welche menschlichen und nicht-menschlichen Akteure sind daran beteiligt, welche Übersetzungsprozesse finden statt und in welche Machtbeziehungen sind diese eingebunden? Aufbauend auf einer ethnografischen Beschreibung dieses Akteursgefüges werden experimentelle Formen des Sammelns erprobt, die als künstlerisch-partizipative Forschungsformate marginalisierte Perspektiven auf Globalisierung sichtbar machen und den Wissensraum Hafenmuseum erweitern sollen.

Nach einer Ausbildung zum Mediengestalter studierte Melcher Ruhkopf an der HCU Kultur der Metropole und im Anschluss Kulturwissenschaften – Culture, Arts and Media an der Leuphana Universität Lüneburg. Seit Oktober 2019 ist er Stipendiat der Claussen-Simon-Stiftung in dem Forschungsprojekt „Wissenschaftlich-künstlerisches Forschen als partizipative Wissensproduktion“. In seinem Promotionsprojekt begleitet er den Entstehungsprozess des Deutschen Hafenmuseums mit Blick auf die Zusammenhänge von Wissens- und Raumproduktion.

In unserer Gesellschaft hat Arbeit als Leistungsprinzip alle Lebensbereiche durchdrungen. Die negativen Folgen der Anforderungen einer sich wandelnden Arbeitswelt können sich bei Erwachsenen in Form von Burnout zeigen. Auch die jungen Menschen in unserer ‚Erschöpfungsgesellschaft’ spüren deren Prinzipien. Einige leiden schon in der Schule unter unterschiedlichen Formen von Stress und sind überfordert bei der Wahl ihres weiteren Ausbildungsweges. Für die Schüler*innen ergeben sich in diesem Zusammenhang zwei Herausforderungen:

Zum einen bereiten sie ihre Bemühungen um gute Noten im Sinne eines Erfüllen-Wollens äußerer und verinnerlichter Ansprüche nicht auf ihre berufliche Situation vor. Da es mehr als die Hälfte der zukünftig gesellschaftlich notwendigen Berufe vermutlich noch nicht gibt, wird den Jugendlichen vor allem eine Fähigkeit abverlangt werden – Berufe für sich selbst zu erfinden.

Noch weniger sind die Schüler*innen darauf vorbereitet, eine kritische Haltung zu unserer neoliberalen Arbeitsgesellschaft zu entwickeln und sie schon bei der Berufswahl zu berücksichtigen. Hilfreiche Impulse können Konzepte zum Zeitwohlstand aus der Postwachstumsdebatte bieten; in ihnen übernimmt der / die Bürger*in Verantwortung für eine nachhaltige Organisation von bezahlter und unbezahlter Arbeit in unserer Gesellschaft.

Mich interessiert, wie sich mit Hilfe künstlerischer Praxis eine Berufsorientierung entwickeln lässt, die auf die oben genannten Herausforderungen reagiert – eine Ausbildung zum Working Citizen. In diesem Kontext initiiere ich künstlerische Berufspraktika, in denen die Jugendlichen, Seismographen ähnlich, unterschiedliche Arbeitsplätze theatral erforschen. An den jeweiligen Orten entwickeln sie kleine Interventionen und Coachings für ihre Mitarbeitenden in Form von Sounds, Bildern, Handlungen, Bewegungen, Atmosphären. Welche Erfahrungen wünschen sie anderen Menschen bei ihrer Arbeit? Was braucht dieser Arbeitsplatz? Wie möchten sie selbst arbeiten? Welchen Beruf erfinden sie für sich?

Currently European cities are not only witnessing a transformation of their spatial structures, but also of their planning structures, though little knowledge exists how both are interrelated. This is the starting point for this phd thesis, which explores the effect changing planning time regimes have for users of urban space by drawing upon the example of transformation processes of allotment gardens.

Allotment gardens are currently undergoing significant changes in their time structures as well as in their spatial structures. Allotment plots, which in many cases have been rented out for decades, sometimes even passed down from one generation to the next, with users developing a strong attachment to their plot, are increasingly facing redevelopment pressure from competing land uses. Many garden sites are increasingly being viewed as constituting an underused greenfield land, often sold and used as construction land for new housing projects instead. In recent years the plans for redevelopment has meant that for many gardens the future and remaining time frame is insecure and the threat of dislocation real.

This phd thesis examines three case studies in the cities Copenhagen, Hamburg and Basel, that each are at different transformation stages: in the first case the gardens have been already been built over, in the second the dislocation is pending, and in the third case the dislocation lies in the distant future. Reconstructing the transformation processes in the three case studies, the study will analyze how the restricted timeframe of the gardens are/were perceived by the users, and how the garden association collectively reacted to the dislocation threat (e.g. through the formation of a protest movement).

The aim of the thesis is to analyse the effect the restricted temporal use structures have/had on its users, asking also how temporal politics are being used as a strategy of power by public stakeholders.

Nicola Thomas is a Sociologist and Urbanist, who studied in Vienna, Copenhagen and London. Currently she is working as a researcher at the department of Social Planning, Organizational Change and Urban Development at the University of Applied Sciences and Arts Northwestern Switzerland. Her areas of research and specialisations are ethnographic architectural research, green urbanism and urban social movements.

Unsere Gegenwart verdeutlicht, wie weit es entfernt scheint, Zukunft als positiv besetztes Versprechen zu sehen. Seit Beginn der Postmoderne scheint jeder Gedanke an Utopie weltfremd und unrealistisch: zum einen sind die aktuellen Konflikte zu komplex, zum anderen sind aus heutigem Blickwinkel alle Versprechen der Moderne gescheitert, stattdessen scheinen religiöse Glaubensentwürfe eine neue Attraktivität zu entfalten.
Wie gehen wir als Bürgerinnen hiermit um? Ist unsere Unfähigkeit, die Zukunft zu imaginieren, heute noch tragbar? Diese Frage ist der Ausgangspunkt meines Forschungsprojektes, in dem ich mit unterschiedlichen Methoden untersuchen werde, inwiefern die Suche nach einem utopischen Potential neue Perspektiven auf Gegenwart und Zukunft öffnen kann.
Als Choreographin setze ich hierbei konkret beim Körper und der Bewegung an, um zu untersuchen, inwiefern Körpertechniken, die mit Imagination arbeiten, das Potential haben, Utopien freizusetzen bzw. zu entwickeln.

Abgeschlossene Dissertationsprojekte am Studiengang

2020

Anna Symanczyk: Der Klang der Dinge. Sensualisierung, Habitualisierung und Emotionalisierung der klanglichen Alltagswelt am Beispiel von Produkt Sound Design
Gutachterinnen: Prof. Kathrin Wildner, Prof. Alexa Färber

Laura Kemmer: Bonding: Infrastructure, affect, and the emergence of urban collectivity
Gutachter*innen: Prof. Alexa Färber, Prof. AbdouMaliq Simone

2019

Maike Gunsilius-Wittershagen: Dramaturgien postmigrantischer Performance. Citizenship in kultureller Bildung und künstlerischer Forschung
Gutachtende: Sibylle Peters, Wolfgang Sting

Juliane Zellner: Kulturszenerien im städtischen Kontext der Megacities Buenos Aires und Istanbul
Gutachterinnen: Prof. Alexa Färber, Prof. Kathrin Wildner

2018

Elise von Bernstorff: Die Performance des Gerichts. Zwei künstlerische Forschungen mit Kindern
Gutachtende: Sibylle Peters, Martin J. Schäfer

Hannah Kowalski: Das Theater der Entscheidung. Die Rolle des Performativen beim Abstimmen
Gutachtende: Sibylle Peters, Kai van Eikels

Eva Plischke: Zukunft auf Probe. Verhältnisse von szenischer Kunst und Zukunftsforschung
Gutachtende: Sibylle Peters, Annemarie Matzke

2017

Hilke Marit Berger: Handlung statt Verhandlung. Kunst als gemeinsame Stadtgestaltung
Gutachterinnen: Prof. Gesa Ziemer, Prof. Kathrin Wildner

Stefanie Lorey: Performative Sammlungen. Begriffsbestimmung eines neuen künstlerischen Formats
Gutachtende: Prof. Gesa Ziemer, Prof. Heiner Goebbels (Justus-Liebig-Univ. Gießen)

2016

Sebastian Matthias Gehrke: Gefühlter Groove – Kollektivität zwischen Dancefloor und Bühne
Gutachtende: Gesa Ziemer, Kerstin Evert, Kai van Eickels