--------------------
  • Bachelor
  • Architektur
    • ----------
    • Studiengang
    • Studieninteressierte
    • Aufbau und Lehrinhalte
    • Kursangebote
    • Stundenpläne | Termine
    • Thesis
    • Ansprechpartner | Gremien
    • Arbeitsgebiete | Forschung
    • ProfessorInnen
      • ----------
      • Prof. Matthias Ballestrem
      • Prof. Peter O. Braun
      • Prof. Dr. Udo Dietrich
      • Prof. Dr. Jörn Düwel
      • Prof. Florian Fink
      • Prof. Christoph Heinemann
      • Prof. Beata Huke-Schubert
      • Prof. Reinhold Johrendt
      • Prof. Mona Mahall
      • Prof. Klaus Sill
      • Prof. Dr. Michael Staffa
      • Prof. Antje Stokman
      • Prof. Dr. Katharina Weresch
      • Prof. Gesine Weinmiller
      • Prof. Dr. Wolfgang Willkomm
      • ----------
    • Ehemalige ProfessorInnen
    • Prüfungsordnungen
    • ----------
  • Bauingenieurwesen
  • Geodäsie und Geoinformatik
  • Stadtplanung
  • Kultur der Metropole
  • Fachübergreifende Studienangebote
  • Lehrkooperationen
  • Jobs
  • Weiterbildung
  • Studierendenvertretung
--------------------

                                                                     Seite 2


Architektur ist nunmal immer auch ein Ausdrucksmittel ihrer Zeit. In den 20er Jahren haben sie sich beispielsweise auf die Industrialisierung bezogen, haben im „Dampferstil“ und „Wohnmaschinen“ gebaut. Sie haben den Konstruktivismus als Spiegel industrieller Konstruktionsweisen ästhetisiert. Dieses Prinzip hat sich sechzig Jahre später in einer ganz anderen Erscheinungsform wiederholt. Unter dem Einfluss von Archigramm wurde in England die Konstruktion als „hightech“ visualisiert. Nur die Architekten haben in aller Regel die Konstruktion und die Technik gar nicht gemeint, sondern nur das Bild davon, das Bild der Technik, wie zuvor schon die russischen Konstruktivisten. Es ging ihnen nicht um die Konstruktion der Ingenieure und nicht um Statik oder Physik. Und das geht so weiter. Als die Biologie in der Gesellschaft an Bedeutung gewann und die Computer in der Lage waren, diese Formen zu erfassen, entstanden anthropomorphe, organoide Formen. Also ob diese Architektur ihren inneren Gesetzen nach je organisch gewesen wäre. Auch hier geht es „nur“ um das Bild – besser und positiver ausgedrückt, um die Deutung des Bildes. Ein Haus ist ein Haus und kein Dampfer, keine Maschine und auch keine Amöbe.

BP: Wollen Sie das konkretisieren? Ein Beispiel vielleicht?
VM: Für solche modischen Trends gibt es immer reichlich Beispiele, besonders gern im Museumsbau. Nicht mehr ganz neu ist das Kunsthaus Graz (2003, Arch.: Peter Cook und Colin Fournier; Anm. d. Red.). Einmal abgesehen davon, was sich die Entwerfer an architekturgeschichtlichem Überbau alles zusammengereimt haben, weiß man tatsächlich nicht genau, was man da sieht. Sieht man in der Form eine Funktion, kann man sie nicht enträtseln. Sieht man in der Form eine Konstruktion, dann wäre sie vollkommen unsinnig. Also kann man in der Form nur ein Zeichen sehen. Hat dieses Zeichen etwas mit der Kunst zu tun, die darin ausgestellt werden soll? Wohl auch nicht. Man hat es gebaut, weil es 2003 technisch möglich war und weil es in den Zeitgeist passte, obwohl die Idee schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel hatte. Letztlich sieht es doch aus wie ein aufgeblasener Magen oder ein anderes Organ in einem ziemlich schlechten Zustand. Aber das Ding will uns sagen: „Seht her, ich bin modern, ich bin zeitgeistig!“ Und das gilt für ähnliche Bauten auch, egal, in welchem Kontext sie entstanden sind. Das hindert sie nicht daran, in dem Moment, in dem sie „auftauchen“ sehr sensationell zu wirken und eine große mediale Aufmerksamkeit zu erreichen.


Das ist vielleicht billig, aber es sind genau die Zeichen des jeweils herrschenden Zeitgeistes.

BP:
Iconic Buildings werden damit zu strapazierten Instrumenten eines Stadtmarketings.

VM: Die Menschen suchen nach Identifikation und in dem Maße, wie sich die Städte mit ihrem geschichtlich gewachsenen Profil, mit ihrer Ästhetik, ihrer Wahrnehmung nicht mehr deutlich voneinander unterscheiden, suchen sie nach Merkmalen der Unterscheidbarkeit. Das ist in der Warenproduktion des Konsumzeitalters etwas ganz Normales. Und wer ein so vordergründiges Marketing macht, wie mit einem Markenzeichen, der sucht, wie das Wort schon sagt, etwas Markantes, eine Landmark. Früher waren diese Profile und Zeichen sinnbesetzt, hatten eine Bedeutung. Heute sind sie oft nur noch Wiedererkennungsmerkmale. Das ist vielleicht billig, aber es sind genau die Zeichen des jeweils herrschenden Zeitgeistes.

BP: Der Architekt Tadao Ando hat gesagt: Architekten hätten die Aufgabe Häuser zu bauen, die zweihundert Jahre halten. Sie sehen bei Ihren Auslandsprojekten auch wie Schwellenländer wirtschaftlich wachsen und nach westlichem Wohlstand streben. Wie akademisch ist die Nachhaltigkeitsthematik bei uns, angesichts der expolsionsartigen Zuwächse in diesen Ländern?
VM: Ich wohne in einem über hundertjährigen Haus, seiner einmaligen Lage wegen. Da war kein Platz für ein neues Haus. Die Forderung so zu bauen, dass es zweihundert Jahre hält, ist der Forstwirtschaft entnommen. Eichen brauchen zweihundert Jahre, bis das Holz geschnitten werden kann. Über lange Zeiten haltbar ist ein Haus immer dann, wenn es geändert, umgenutzt werden kann und in seinem Kern - nicht in seinen Einzelheiten - auf Dauer Bestand hat. Das ist in meinen Augen Nachhaltigkeit. Unser Konsum- und Produktzeitalter, das auf die Maximierung des Verbrauchs, den schnellstmöglichen Modewechsel und die Verwandlung des Bürgers in einen Konsumenten ausgerichtet ist, verläuft dazu kontrovers. Abschreibungszeiten für Autos sind fünf Jahre, für ein Schiff fünfzehn, für ein Haus dreißig Jahre. Das ist in Hinsicht auf Nachhaltigkeit kontraproduktiv.

BP: Herr Sobek, Ihr Haus ist zu hundert Prozent recyclebar. Sie beschäftigen sich sehr viel mit Materialien und ihren Eigenschaften. Wie nachhaltig ist die Nachhaltigkeit?
WS: Nachhaltigkeit fordert eine verantwortete Haltung gegenüber unserer Umwelt und den nachkommenden

                                                                <weiter>